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    Parodontitis

    Wenn gesunde Zähne ihren Halt verlieren

    Nicht jeder Zahnfleischrückgang ist auch gleichzeitig eine Parodontitis. Zahnfleisch und Knochen können auch durch andere – nicht entzündliche – Ursachen verdrängt werden, z.B. durch Überlastung beim nächtlichen Pressen der Zähne wie hier im Bild.

    Diese Abbildung zeigt ein jugendliches gesundes Gebiss.

    Ein dezenter Rückgang (ca.1/10mm pro Jahr) des Zahnhalteapparates (Zahnfleisch und Knochen) ab ca. dem 25. Lebensjahr ist durchaus normal.

    Auf diesem Bild sehen wir das gesunde Gebiss eines Erwachsenen – gesund trotz offensichtlichen Zahnfleischrückgangs, zu sehen an den dunklen Dreiecken in den Zwischenräumen.

    Bei dem Verdacht eines entzündlichen Zahnfleischrückgangs ist ein frühzeitiges Erkennen von großer Bedeutung für eine gute Prognose.

    Die Unterscheidung

    1. krankhaft / normal
    2. entzündet / nicht entzündet
    3. behandlungsbedürftig / nicht behandlungsbedürftig

    muss Ihr behandelnder Arzt treffen und erläutert Ihnen gerne die Zusammenhänge.

    Ablauf einer Parodontitis

    Das gesunde Zahnfleisch umschließt den Zahn an seinem Durchtritt aus dem Knochen mit einer bakteriendichten Manschette. Dies ist eine einmalige Konstruktion in der Natur, weil Knochen äußerst empfindlich auf das Eindringen von Bakterien reagiert.

    Sammeln sich an dem Übergang Zahn-Zahnfleisch-Knochen dauerhaft Verunreinigungen, reagiert der Körper mit einer Entzündung und die Manschette lockert sich und wird durchlässiger für Keime.

    Dadurch können Keime entlang des Zahnes tiefer eindringen und die Entzündung verstärkt sich, es entsteht eine Zahnfleischtasche, die den eingedrungenen Keime Schutz bietet.Ein Teufelskreis kommt in Gang:
    eine tiefe Zahnfleischtasche bietet neuen Keimen bessere Überlebensmöglichkeiten > der Knochen zieht sich weiter zurück > die Tasche vertieft sich weiter.

    Warum treibt der Körper den Knochenabbau in dieser Form voran? ​

    Das Ziel des Körpers ist die Entfernung der für den Knochen bedrohlichen Bakterien. Das gelingt ihm nur mit der Entfernung des ganzen Zahnes.
    Das Opfern des Zahnes dient dem Schutz des Gesamtorganismusses zur Vermeidung von Entzündungen, und Abszessen tief im Knochenmark. Patienten, die keine Zähne haben, bekommen auch keine Parodontitis, obwohl wir auch bei ihnen Knochen und bedeckendes Zahnfleisch anfinden wie beim bezahnten Patienten.
    Das Tempo des ablaufenden Prozesses wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst.

    Im Folgenden sind die wichtigsten Begleitfaktoren aufgelistet:

    • Welche Schmutznischen finden die Keime vor (tiefe Zahnfleischtaschen, abstehende Kronenränder, rauher Zahnstein…)?
    • Wie zahlreich und wie aggressiv sind die vorhandenen Keime (zum umstrittenen Thema „Keimtestung“ s.u.)?
    • Wie reagiert der Körper auf die vorhandenen Keime? Die Abwehrreaktionen sind individuell sehr unterschiedlich, aber wichtig für die Therapieplanung und die Prognosestellung.
    • Sind die Zähne bereits so gelockert, dass der Knochen ohne zusätzliche Ruhigstellung der Zähne gar nicht mehr ausheilen kann?
    • Liegen Erkrankungen vor, die einen Selbstheilungsprozess erschweren (Diabetes, Rheumatische Erkrankungen,…)
    • Liegen hormonelle Veränderungen vor, von denen wir wissen, dass sie eine Parodontitis beeinflussen?
    • Wird der Heilungsprozess durch Rauchen erschwert?
    • Werden die Keime durch Fehlbelastungen (Knirschen, Pressen) zusätzlich in den Knochen einmassiert?

    Einfluss der Parodontitis auf den Gesamtorganismus

    Die Bakterienansammlungen in den Zahnfleischtaschen, ihre Toxine und Zerfallsprodukte provozieren Reaktionen unterschiedlicher Art im gesamten Organismus. Anhand von fünf Beispielen präsentiert uns Prof. Dr. James Deschner  vom Universitätsklinikum Bonn “Experimentelle Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde” mögliche Wechselwirkungen der Parodontitiskeime:

    1. Parodontitis und Diabetes mellitus
    2. Parodontitis und kardiovaskuläre Erkrankungen
    3. Parodontitis und Geburtsrisiken
    4. Parodontitis und Übergewicht
    5. Parodontitis und Gelenkentzündung

    Warum treibt der Körper den Knochenabbau in dieser Form voran?

    ​Das Ziel der Parodontitisbehandlung ist wie beim natürlichen Ablauf (s.o.) die Entfernung der Keime –
    aber aber im Gegensatz zur körpereigenen Reaktion natürlich ohne den ganzen Zahn zu entfernen.

    Dazu werden zunächst sämtliche Wurzeloberflächen, die zwar von Zahnfleisch bedeckt, aber nicht (mehr) mit diesem oder dem Knochen verwachsen sind, von den auflagernden Mikroporganismen systematisch gereinigt. Dies geschieht mithilfe von Handinstrumenten, Küretten, Ultraschallscalern der neuesten Generation, die äußerst schonend und angenehm während der Behandlung sind, desinfizierenden Spülungen während der Behandlung, laseraktivierten Desinfektionsverfahren, etc.

    Diese „geschlossene“ Vorgehensweise ohne Mobilisierung des Zahnfleisches stellt sowohl während der Behandlung als auch an den Tagen danach keine gravierende Belastung für den Patienten dar. Der Wundbereich muss nicht mit einer Naht verschlossen werden.

    Nach einer angemessenen Wartezeit kann es an vereinzelten, schwer zugänglichen Stellen erforderlich sein, nach behutsamer Mobilisierung des Zahnfleisches die Wurzeloberflächen unter Sicht nachzureinigen. Das wird im Einzelfall immer individuell mit dem Patienten im Vorfeld besprochen.

    Aber auch wenn eine „offene“ Nachbehandlung unter Mobilisierung des Zahnfleisches erforderlich sein sollte, ist der Verlauf natürlich wesentlich angenehmer, wenn durch die „geschlossene“ Behandlung im Vorfeld der generelle Entzündungsgrad bereits reduziert ist und wenn nicht unnötigerweise sämtliche Zahnfleischtaschen „offen“ behandelt werden.

    Die „offene“, chirurgische Vorgehensweise ist Grundvoraussetzung, um mit geeigneten Materialien in dafür geeigneten Defekten den Knochen gezielt wiederaufzubauen.

    Was kann noch getan werden zur Verbesserung des Behandlungserfolges?

    Keimtests

    Der Nutzen von Keimtests wird auch unter spezialisierten Kollegen noch immer kontrovers diskutiert.

    Tatsache ist,

    • dass es Zahnfleischerkrankungen gibt, die zwingend mit einem Antibiotikum, mit welchem auch immer, behandelt werden müssen – soweit sind sich alle einig
    • dass ich bei der „Ich gebe immer alles“–Vorgehensweise Patienten völlig unreflektiert mit nebenwirkungsstarken Antibiotika (Metronidazol) routinemäßig behandeln würde, bei denen es aufgrund des Keimspektrums nicht zwingend erforderlich wäre, sondern eine andere Zusammenstellung der Antibiotika oder nur eines Antibiotikums verträglicher und damit sinnvoller wäre
    • dass die Keimtestungen mittlerweile so günstig und so zuverlässig sind, dass das Risiko gravierender Nebenwirkungen bei unnötiger Metronidazolgabe in keinem Verhältnis zum geringen Aufwand der Testung steht
    • dass es vor allem bei agressiven Verlaufsformen ein sinnvoller Zusatznutzen ist, nach abgeschlossener Therapie den bleibenden?! Erfolg der durchgeführten Maßnahmen nach ½ – 1 – 2 Jahren mittels weiterer Keimtestungen zu überprüfen. Das wiederum ist nur möglich, wenn ich einen Vergleichswert – nämlich das Testergebnis vor Therapiebeginn – habe

    aMMP8-Testung

    Einschätzung der Prognose

    Durch die Bestimmung der aktiven Matrix-Metalloproteinase-8 kann in Relation zum

    • Alter des Patienten,
    • zum Schweregrad der sichtbaren Befunde (Zahnfleisch-blutung, Taschentiefen, Knochenrückgang,…),
    • zum Tempo des entstandenen Problems

    eine sehr zuverlässige Prognose zum zu erwartenden zukünftigen Verlauf der Erkrankung erstellt werden. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn Versorgungen geplant werden, die erkrankte Zähne mit einbeziehen.

    Die aMMP8-Testung gibt uns auch wichtige Informationen bei Implantat-Patienten über deren individuelles Risiko an einer Periimplantitis (eine Zahnfleischentzündung um ein Implantat herum) zu erkranken.